13. Juni 2018

125 Jahre Wandel und Fortschritt: Die Zürcher RehaZentren feierten am 8. Juni gleich zwei Jubiläen

Rund 140 Gäste aus der Gesundheitsbranche, Politik und Verwaltung reisten am vergangenen Freitag ins Kongresszentrum Davos, um das Doppeljubiläum der Zürcher RehaZentren zu feiern. Vor 125 Jahren wurde der Grundstein für die Stiftung gelegt und vor 100 Jahren erwarb sie das heutige Zürcher RehaZentrum Davos. Während zweier spannender Podiumsgespräche nahm Moderator Otmar Seiler die Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit und diskutierte unter anderem mit dem Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb Chancen der Zukunft.

Die Zürcher RehaZentren feierten am 8. Juni unter dem Jubiläumsmotto «Neue Chancen schaffen» ihr Doppeljubiläum. Vor 125 Jahren wurde die Gründung der Zürcher RehaZentren angestossen, um neue Chancen für ihre Patientinnen und Patienten zu schaffen. Passend zum Motto nahm der Bündner Moderator Otmar Seiler die Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

 

Im Gespräch mit den Machern des Jubiläumbuches «Von der Liegekur zur modernen Rehabilitation» liess er die bewegte Geschichte der Zürcher RehaZentren – und insbesondere jene des 100-jährigen Zürcher RehaZentrums Davos – Revue passieren. Dabei glichen die Archivrecherchen laut den Autoren Daniela Bretscher und Elmar Kossel einer spannenden Schatzsuche, weil immer wieder neue und wunderbare Schätze zum Vorschein kamen – wie etwa die originale Stiftungsurkunde, die lange unauffindbar blieb.

Aber auch das reiche Bild- und Fotomaterial, das Einblick in die Entwicklung der Stiftung, des Gesundheitswesens und der Gesellschaft gibt, war für die Kunsthistoriker von besonderer Bedeutung. Ein Herzstück des Buches ist die Familiengeschichte der Familie Fröhlich aus dem Kanton Zürich. Die Geschichte dieser Familie hat alle Buchmacher am meisten berührt – mehr noch als die prominenten Kurgäste wie Katia Mann, Gala und Éluard und die Verbindung zum weltbekannten Maler Ernst Ludwig Kirchner, über die das Buch ebenfalls berichtet.

Rund 180 handgeschriebene Briefe geben Einblick in den Alltag der von der Tuberkulose geplagten Familie. Die Mutter wie auch zwei der insgesamt vier Kinder erlagen der Erkrankung. Aber nicht nur der Inhalt des Buches ist ein Erlebnis. Die Grafikerin Nora Vögeli verlieh dem Buch unter anderem mit einem offenen Buchrücken, eingelegten Faksimile-Drucken und ausklappbaren Panoramaseiten ein unverkennbares Design.

 

Im zweiten Podiumsgespräch ging es anschliessend von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft. CEO Markus Gautschi, Stiftungsratspräsident Andreas Mühlemann, Stiftungsdirektor Thomas Kehl und dem Regierungsrat Christian Rathgeb diskutierten über den Gesundheitsmarkt Schweiz, die Standortattraktivität von Davos und die Zukunftschancen der Zürcher RehaZentren.

Der Stiftungsdirektor und ehemalige CEO Thomas Kehl hob hervor, dass er besonders stolz auf die Wandelbarkeit und Agilität der Stiftung sei. Nur dank dieser Eigenschaften hätten es die Zürcher RehaZentren geschafft, sich von Tuberkulosesanatorien zu hoch spezialisierten Rehabilitationskliniken zu entwickeln. Auf die Frage, was das Zürcher RehaZentrum für Davos und den Kanton Graubünden bedeute, unterstrich Regierungsrat Christian Rathgeb, das RehaZentrum Davos sei mit seinen rund 200 Arbeitsplätzen von enormer Bedeutung für den Standort und man sei sehr glücklich, die Klinik seit 100 Jahren in Davos zu haben.

Markus Gautschi bestätigte, dass es der Jubilarin heute blendend gehe. Die Auslastung sei sehr gut, was auch die Notwendigkeit der angebotenen Rehabilitationsleistungen bestätige. Wie in der Vergangenheit nehme die Stiftung auch heute veränderte Bedürfnisse auf – zum Beispiel nach ambulanter und wohnortsnaher Rehabilitation. Das ändere aber nichts an der Bedeutung des Standorts Davos. Immerhin stamme ein Drittel der Patientinnen und Patienten aus dem Kanton Graubünden und viele wählen bewusst Davos-Clavadel, um einen Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit aufzusuchen.

 

Mit Blick in die Zukunft thematisierte Moderator Otmar Seiler das Vorhaben, dass die Zürcher RehaZentren im Erweiterungsbau des Spital Usters vier Stationen mit Platz für 128 Betten beziehen wollen. Bereits 2016 genehmigte das Stimmvolk das Bauprojekt, der Spatenstich ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Andreas Mühlemann, Präsident der Stiftung Zürcher RehaZentren und Direktor des Spitals Uster bestätigte mit Bedauern, dass das Bauvorhaben trotz des klaren demokratischen Entscheides durch Rekurse einzelner Nachbarn verzögert werde. Die Frage, ob der Erweiterungsbau die bestehenden Standorte Zürcher RehaZentren nicht konkurrieren werde, verneinte er mit Überzeugung: „Die heutigen drei Standorte Wald, Davos und Lengg in der Stadt Zürich zeichnen sich alle durch individuelle Stärken aus. Zudem finden heute nur rund 30 Prozent der Zürcher Patientinnen und Patienten einen Rehabilitationsplatz im eigenen Kanton. Das neue RehaZentrum Uster werde einen Teil dieser Unterversorgung auffangen. Sein Angebot wird sich insbesondere an Patientinnen und Patienten richten, für die die Nähe zum Akutspital wichtig ist.“

Von Uster ging es wieder zurück nach Davos und den standortspezifischen Herausforderungen. Regierungsrat Rathgeb kam auf den Fachkräftemangel in der Branche zu sprechen. Markus Gautschi bestätigte, diesen insbesondere in der Pflege zu spüren. Mit gezielter Nachwuchsförderung würden die Zürcher RehaZentren aber diesem Umstand entgegenwirken und laufend in Ausbildungen investieren, um so Anreize zu schaffen.

Auch die Themen Digitalisierung und Robotik würden die Zürcher RehaZentren intensiv verfolgen. In Wald (ZH) können beispielsweise schon heute Gangtrainings mit Robotik absolviert werden. Andreas Mühlemann ist sich sicher: „Die Digitalisierung und der technische Fortschritt werden das Gesundheitswesen verändern und ziemlich sicher auch schneller, als erwartet“.

 

Abschliessend wollte der Moderator noch wissen, was es mit dem Jubiläumsclaim «Neue Chancen schaffen» auf sich hat. CEO Markus Gautschi erklärte dazu: „Meist befinden sich Patientinnen und Patienten in einem sehr schlechten Zustand, wenn sie bei uns ankommen. Damit sie in ein normales Leben zurückkehren können, bedarf es in der Rehabilitation harter Arbeit.“ Stiftungspräsident Mühlemann ergänzte, dass der Claim auch die Stiftung und ihre Geschichte wunderbar repräsentiere. Wie in der Vergangenheit gehe es auch heute und in Zukunft darum, die Chancen, die das Gesundheitswesen biete, zu erkennen und zu nutzen.

 

In seinem Schlusswort dankte Stiftungsratspräsident Andreas Mühlemann allen Gästen, Organisatoren und Podiumsteilnehmern für ihr Erscheinen. Regierungsrat Rathgeb bat er, sich als Gesundheitsdirektor dafür einzusetzen, dass die Gesundheitspolitik auch künftig von qualitativen und nicht nur von monetären Aspekten geleitet werde. Beim darauffolgenden Apéro erhielten die Gäste in der historischen Ausstellung und im direkten Austausch weitere Einblicke in die Geschichte der Jubilarin.

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